11. Tag – Montag 25.07.2016 Uummannaq

 

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Der Berg Uummannaq ist geformt wie das Herz einer Robbe

Mit Uummannaq (deutsch: der Robbenherz-Förmige) wird nicht nur der markante 1200 Meter hohe Berg genannt, der den Ort optisch dominiert, sondern auch der Ort selbst, mit seinen etwa 1300 Einwohnern. Wie so oft hier in Grönland liegt auch Uummannaq am Ende eines Fjords.
Viel kann man in den früheren Morgenstunden allerdings nicht erkennen, denn es herrschte dichter Nebel, der so gegen 10 Uhr langsam aufklart und die Leute an Deck lockte. 2016 07 25 Uummannaq P1060667Gegen 10:45 Uhr hörten wir zufällig aus einem Gespräch zwischen zwei Passagieren, dass die Tendertickets allmählich schon knapp würden. Das konnten wir gar nicht glauben, da ja sie Ausgabe erst um 11:00 beginnen sollte. Wir schauten trotzdem mal an der Rezeption nach und tatsächlich, vor der Rezeption gab es keine Schlange, sondern nur noch Restbestände an Tenderkarten, was bedeutet, dass wir wieder nur einen späten Tender nutzen würden, um an Land zu kommen. Wegen der langen Schlange hätten der Kreuzfahrtdirektor und der Hotelmanager aus Sicherheitsgründen entschieden, dem „Druck der Straße“ nachzugeben und einfach mit der Ausgabe zu beginnen. Wir waren empört über dieses Organisations- Informationschaos und dass man nur über Flüsterpropaganda als Passagier zu Potte kommt. Wir baten um einen Termin für ein Gespräch mit dem Kreuzfahrtdirektor. Dieser würde auf uns zukommen, wurde uns versichert.
2016 07 25 Uummannaq P1060650 jiWir gingen wieder an Deck, das Schiff warf den Anker, natürlich wie gewohnt vor grandioser Kulisse. Der imposante Berg, Eisberge in den verschiedensten Formen und Größen ließen den Zeigefinger stakkatoartig den Auslöser des Fotoapparats betätigen. Am Abend muss man dann halt zusehen, wie man die weit über 100 Bilder des Tages durch Löschen auf ein erträgliches Maß wieder eindampft.
Mittlerweile erfolgte die Durchsage: „Dies ist der letzte Aufruf für den Tender für Passagiere mit dem Ticket A….“.  Da stürmte plötzlich die Dame von der Rezeption auf uns zu, drückte uns A-Tickets in die Hand und überredete uns, ihr unsere D-Tickets auszuhändigen. Wie sie uns auf dem Außendeck gefunden und identifiziert hat, bleibt uns bis heute ein Rätsel. Meinen Einwand, dass wir den A-Tender doch gar nicht mehr schaffen können, ließ sie nicht gelten: „Den schaffen Sie noch!“.
Da Doris ob ihrer Erkältung noch unsicher war, überhaupt mit an Land zu gehen, entschied sich, die jetzt notwendige Hetzerei nicht mitzumachen, nämlich in die Kabine zu stürmen, den Rucksack mit den 1000 Sachen, die man an Land brauchen könnte (Geld, Telefon, Mütze, Wasserflasche…) zu packen und runter auf Deck 3 zu stürmen, wo sich die Luke zum besteigen des Tenders befindet.
Die Aktion, uns A-Tickets zu geben (wo immer die plötzlich noch hergenommen wurden), war zwar irgendwo gut gemeint, war ab er bestimmt nicht unser Ziel. Wir meinen, dass Zeiten und Regeln von allen einzuhalten sind (auch von der Reiseleitung selbst) und nicht wer am lautesten schreitt, als erster drankommt. Gleiche Chancen für alle, nicht mehr und nicht weniger.
Jedenfalls war der A-Tender natürlich schon weg und bei der Ticketkontrolle (für den B-Tender) bekam ich erwartungsgemäß vor versammelter Mannschaft Schimpfe, dass ich zu spät sei. Gnädig nahm man mich trotzdem mit.
2016 07 25 Uummannaq P1060683Der Ort selbst unterscheidet sich wieder wenig von anderen grönländischen Orten. Man spaziert durch die steilen Sträßchen, freut sich an den Wiesen mit den Blumen, trifft auf Schlittenhunde und kommt sich recht klein vor, inmitten der hohen und schroffen Felsen, die den Ort einkesseln.
Erwähnenswert ist höchsten, dass ich in ein Haus gegangen bin, dass den Eindruck machte, es handele sich um eine Kunst- oder Bildergalerie. Es waren auch einige schöne Schnitzereien aus Knochen vom Rentier, Moschusochsen und Wal ausgestellt.
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Sozialarbeiter und Kunsthandwerker

Aber die eigentliche Funktion des Gebäudes war, verhaltensauffällige Kinder mehrmals die Woche hier zu betreuen, um unter professioneller Anleitung zu malen und basteln. Dies alles erklärte mir der dänische Sozialarbeiter, bot mir einen Kaffee an und ging dann seiner derzeitigen Beschäftigung nach, nämlich das Schnitzen von Ornamenten in einen Walknochen, denn Kinder waren derzeit keine anwesend.
In Grönland arbeiten sehr viele Dänen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn Grönland ist zwar autonom, verwaltet sich weitgehend selbst, gehört aber politisch zu Dänemark und hängt vor allem finanziell am dänischen Tropf.
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Das Mädchen stammt sicherlich aus einer dänischen Familie

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Mit Uummannaq hatten wir den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht - ca. 70° nördlicher Breite, also gut 3° über dem Polarkreis (66° 33′ 55″≈ 66,57°). Nach dem Ablegen kam der Gedanke, dass man sich jetzt praktisch schon wieder auf dem Rückweg nach Hause befindet. Aber dadurch, dass diesmal kein Nebel aufkam, konnte man die vernebelte Hinfahrt durch den Fjord von Uummannaq nachholen.

 

12. Tag – Dienstag 26.07.2016 Ilulissat

2016 07 26 Ilulissat P1010824In der Nacht werden wir durch ein Geräusch an unserer Kabinentüre wach. Es wurde ein Briefumschlag unter der Tür durchgeschoben, den wir, neugierig wie wir sind, auch gleich geöffnet haben und das inliegende Schreiben lasen. Man teilte uns mit, das wir aus technischen Gründen vom gebuchten Ausflug “Bootsfahrt zwischen den Eisbergen“ um 10:00 vormittags gestrichen worden sind und stattdessen auf einen gleichen Ausflug, allerdings um 15:30 nachmittags verschoben wurden.

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Der Hafen von Ilulissat

Da der 10 Uhr Ausflug nach wie stattfinden sollte, versuchten wir am Morgen zu klären, warum ausgerechnet wir zur Verschiebemasse wurden. Schließlich hatten wir uns bei der frühen Buchung des Ausflugs (bereits vor Beginn der eigentlichen Reise) und der Wahl für den Vormittag etwas gedacht - morgens Ausflug, nachmittags in Ruhe ohne Zeitdruck durch die Stadt traben, denn das Schiff legte ja einen sogenannten Overnightstopp ein. Die Anzahl und Größe der für die Ausflüge angeforderten grönländischen Boote hätte sich geändert. Gäste, die vormittags und nachmittags verschiedene Ausflüge gebucht hatten, hätte man nicht umgebucht, sondern nur die anderen. Unser Verdacht, dass bei der Auswahl wer zwangsumgebucht wurde und wer nicht, auch die Kategorie der Kabine eine entscheidende Rolle gespielt hat, wurde vehement bestritten. Uns bleiben Zweifel. Jedenfalls tenderten wir deshalb gegen 10:00 Uhr an Land. Wir brauchten hierfür auch keine Tendertickets mehr, die seit 6:00 Uhr ausgegeben wurden, denn bereits ab halb zehn fand das “freie Tendern“ statt. Die Tenderstation lag sehr ungünstig (da konnte aber die ASTOR nichts dafür), denn man musste auf einer steilen Straße das gesamte Hafenbecken umrunden, um ins Zentrum der Stadt zu kommen. Wir bewunderten einen Alten Herrn, der mit seinem Rollator und seinen 93 Jahren den schwerlichen Weg meisterte. Der Senior feierte auf der Grönlandkreuzfahrt der Astor in 2013 seinen 90. Geburtstag, eine Reise wo wir auch dabei waren; deshalb kannten wir sein Alter. Ilulissat ist mit 4.500 Einwohnern die drittgrößte Stadt Grönlands. Wir erreichten die Stadtmitte nach einer guten halbe Stunde Fußmarsch. In einem Café konnten wir uns für umgerechnet ca. 5 € eine ½-stündige Internetverbindung kaufen. Allerdings war die Verbindung technisch nicht in der Lage, Bilder auf den Server zu laden, auf dem sich mein Blog befindet, sodass eine Aktualisierung desselben nicht möglich war.

2016 07 26 Ilulissat P1010860Für den Nachmittag war ja jetzt die Bootsfahrt vorgesehen. Vier Boote holten die Ausflügler direkt an der ASTOR ab, sodass das lästige tendern entfallen konnte. Wir bestiegen Boot Nummer vier, was den Vorteil hatte, dass wir statt der maximal möglichen 12 Passagiere nur zu Acht waren. Manchmal hat so ein “Lumpensammler“ eben auch mal Vorteile. Obwohl wir diese Bootsfahrt auch schon bei früheren Grönlandreisen mitgemacht hatten, blieb uns auch diesmal wieder die Spucke weg. “Vergiss alles, was Du auf der bisherigen Reise an Eisbergen gesehen hast“ könnte die Parole heißen. Schöner, gigantischer und kolossaler lautete das Motto.

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Die Eisberge stammen von einem Gletscher, der sich am Ende des 40 Kilometer langen Ilulissat-Eisfjord befindet. Von dort treiben sie in die Diskobucht, wo auch Ilulissat liegt. Die dicksten Kaventsmänner laufen dort gerne auf Grund, bilden so eine Eisbarriere und die nachfolgenden Eisberge türmen sich nach und nach zu einem Eisgebirge auf. Manchmal ist die Bucht total versperrt, sodass ein Kreuzfahrtschiff nicht mal zu einem Redeplatz gelangen kann.

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Das war zum Glück heute nicht der Fall. Wenn sich die Eisberge dann nach und nach aus der “Gefangenschaft“ befreien, treiben sie über den Atlantik Richtung Kanada. Nur noch nebenbei möchte ich erwähnen, dass das Wetter natürlich wieder klar und sonnig war, in der Ferne zwei Wale auftauchten und die zwei Stunden auf dem Ausflugsboot wie im Flug vergingen.
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Hierbei kamen auch die neuen Handschuhe aus Island zum Einsatz.

 

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Peter Hölzer (*23.12.1953) ist der Blogger

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